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Erschöpfung im Alltag – wenn du nur noch funktionierst

17. Okt.
6 Min. Lesezeit

Wann hast du das letzte Mal morgens die Augen geöffnet und gedacht: Eigentlich könnte ich heute einfach liegen bleiben?


Nicht, weil du keine Lust auf den Tag hast.

Sondern weil du müde bist. Vielleicht sogar richtig erschöpft.

Dein Körper fühlt sich schwer an. Dein Kopf ist eigentlich noch gar nicht bereit für all das, was gleich von ihm verlangt wird.

Und trotzdem stehst du auf.

Weil die Kinder zur Schule oder in den Kindergarten müssen. Weil du zur Arbeit musst. Weil Termine anstehen. Weil jemand auf deine Antwort wartet. Weil der Kühlschrank leer ist. Weil die Wäsche gemacht werden muss. Weil du dich um deine Eltern oder andere Angehörige kümmerst.

Also Füße auf den Boden.

Aufstehen.

Kaffee.

Los.

Wir funktionieren.

Und genau dieses Wort finde ich im Zusammenhang mit Erschöpfung unglaublich spannend.


Erschöpfung im Alltag

Funktionieren – obwohl wir eigentlich eine Pause brauchen


In meinem Vortrag zum Thema Erschöpfung im Alltag stelle ich häufig eine ganz einfache Frage:

„Wer von euch kennt den Gedanken: Eigentlich bräuchte ich jetzt eine Pause – aber gerade ist keine Zeit dafür?“

Und meistens sehe ich sehr viele zustimmende Gesichter.

Ich kenne diesen Gedanken selbst nur zu gut.

Als Mutter von drei Kindern und gleichzeitig Selbstständige gibt es diese Tage natürlich auch bei mir.

Vielleicht war die Nacht unruhig. Morgens müssen drei Kinder fertig werden. Brotdosen, Schulsachen, Termine. Gleichzeitig laufen im Kopf bereits die ersten beruflichen Aufgaben durch.

Eine Nachricht beantworten.

Einen Kurs vorbereiten.

Einen Beitrag fertigstellen.

Noch schnell etwas einkaufen.

Die Wäsche.

Ein Termin.

Und irgendwo dazwischen merke ich:

Eigentlich bin ich gerade müde. Eigentlich bräuchte ich zehn Minuten Ruhe.

Aber zehn Minuten passen gerade nicht hinein.

Also mache ich weiter.

Und genau darin liegt für mich eine der großen Schwierigkeiten beim Thema Erschöpfung:

Wir warten häufig darauf, dass irgendwann gar nichts mehr geht.

Dabei sendet unser Körper vielleicht schon viel früher kleine Signale.



Denn Funktionieren bedeutet nicht automatisch, dass es uns gut geht


Das finde ich besonders wichtig.

Du kannst morgens aufstehen.

Du kannst arbeiten.

Du kannst deine Kinder versorgen.

Du kannst einkaufen, kochen, Termine koordinieren, Sport machen und dich mit Freunden treffen.

Du kannst sogar lachen und nach außen vollkommen normal wirken.

Und trotzdem kannst du erschöpft sein.

Vielleicht bist du abends völlig leer.

Vielleicht bist du schneller gereizt als früher.

Vielleicht kannst du dich schlechter konzentrieren.

Vielleicht fällt es dir schwer, wirklich abzuschalten.

Oder du merkst körperlich, dass du ständig unter Spannung stehst: Dein Nacken ist fest, deine Schultern ziehen nach oben, dein Kiefer ist angespannt oder dein Atem wird immer flacher.

Und trotzdem denkst du:

Aber ich bekomme doch noch alles hin.

Genau deshalb kann Erschöpfung so lange unbemerkt bleiben.

Weil wir funktionieren.



Und dann kommt der Perfektionismus dazu


Bei mir gibt es noch einen weiteren Punkt, den ich sehr gut kenne:

Perfektionismus.

Denn es reicht ja nicht, dass etwas erledigt ist.

Es könnte noch ein bisschen besser sein.

Die Wohnung könnte noch schnell aufgeräumt werden.

Der berufliche Text könnte noch einmal überarbeitet werden.

Das Essen könnte gesünder sein.

Der Geburtstag schöner vorbereitet.

Der Instagram-Beitrag perfekter.

Die Yogastunde noch durchdachter.

Und bevor Besuch kommt, könnten wir doch wenigstens noch einmal schnell durchs Wohnzimmer gehen …

Ich kenne diesen inneren Anspruch an mich selbst.

Dieses:

„Ach komm, das mache ich jetzt auch noch schnell.“

Und manchmal ist genau dieses „noch schnell“ der Punkt, an dem wir unsere eigenen Grenzen wieder ein kleines Stück verschieben.

Nicht einmal.

Sondern jeden Tag.



Wenn „gut genug“ sich plötzlich nicht mehr gut genug anfühlt


Perfektionismus kann uns antreiben.

Er kann dazu führen, dass wir gewissenhaft sind, Verantwortung übernehmen und Dinge mit viel Liebe machen.

Aber er kann eben auch dafür sorgen, dass wir nie wirklich fertig sind.

Denn es gibt immer noch etwas zu verbessern.

Noch eine Aufgabe.

Noch eine Nachricht.

Noch etwas, das schöner, ordentlicher oder besser sein könnte.

Und so wird aus:

„Ich erledige meinen Alltag.“

irgendwann:

„Ich muss meinen Alltag perfekt erledigen.“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Denn wenn unser eigener Anspruch ständig höher liegt als das, was unsere vorhandene Energie eigentlich zulässt, entsteht ein permanenter innerer Konflikt.

Der Körper sagt:

Pause.

Der Kopf sagt:

Nur noch das hier.



Was passiert, wenn wir dauerhaft funktionieren?


Unser Körper ist sehr gut darin, kurzfristig mit Stress umzugehen.

Wir brauchen diese Fähigkeit sogar.

Unser Nervensystem kann uns aktivieren, Energie bereitstellen und dafür sorgen, dass wir in herausfordernden Situationen leistungsfähig bleiben.

Problematisch wird es, wenn Stress und Aktivierung zum Dauerzustand werden und Regeneration zu kurz kommt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl:

Du hast endlich Feierabend – aber innerlich bist du noch gar nicht fertig.

Du sitzt auf dem Sofa, aber dein Kopf arbeitet weiter.

Du gehst ins Bett und plötzlich fällt dir ein, was du morgen unbedingt erledigen musst.

Der Körper liegt.

Aber das System läuft weiter.

Chronischer Stress kann langfristig verschiedene Systeme unseres Körpers beeinflussen. Dazu gehören unter anderem unser autonomes Nervensystem, der Hormonhaushalt, Schlaf, Konzentration und emotionale Regulation.

Deshalb bedeutet Nervensystem regulieren für mich auch nicht, dass wir ständig vollkommen entspannt sein müssen.

Es geht vielmehr darum, wieder zwischen Aktivität und Regeneration wechseln zu können.

Belastung.

Und Erholung.

Anspannung.

Und Entspannung.

Tun.

Und Sein.



Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht: „Schaffe ich es noch?“


Vielleicht sollten wir uns viel früher eine andere Frage stellen.

Nicht:

„Kann ich noch?“

Sondern:

„Wie geht es mir eigentlich dabei?“

Denn zwischen diesen beiden Fragen liegt unglaublich viel.

Nur weil du etwas noch schaffst, bedeutet das nicht automatisch, dass es dir damit gut geht.

Nur weil du deinen Alltag meisterst, bedeutet das nicht, dass dein Körper keine Pause braucht.

Und nur weil andere vielleicht noch mehr leisten, macht das deine eigene Erschöpfung nicht weniger wichtig.



Dein Körper flüstert meistens, bevor er schreit


Erschöpfung beginnt nicht immer mit dem großen Zusammenbruch.

Manchmal ist sie viel leiser.

Vielleicht schläfst du, fühlst dich morgens aber trotzdem nicht erholt.

Du wirst schneller ungeduldig.

Kleine Dinge überfordern dich plötzlich.

Du kannst dich schlechter konzentrieren.

Du hast das Gefühl, ständig etwas vergessen zu haben.

Du bist körperlich angespannt.

Du atmest flacher.

Du möchtest eigentlich Ruhe – und schaffst es trotzdem nicht, wirklich zur Ruhe zu kommen.

Oder du merkst:

Ich funktioniere eigentlich nur noch.

Solche Signale können viele Ursachen haben und anhaltende oder starke Beschwerden sollten selbstverständlich medizinisch abgeklärt werden.

Aber vielleicht lohnt es sich trotzdem, ihnen zuzuhören.

Nicht erst dann, wenn dein Körper laut werden muss.



Was können wir verändern?


Ich glaube nicht daran, dass die Lösung darin liegt, unseren ohnehin vollen Alltag noch mit zehn weiteren Selbstfürsorge-Aufgaben zu füllen.

Du musst nicht morgens um fünf aufstehen, meditieren, Yoga machen, journaln, einen grünen Smoothie trinken und anschließend noch deine perfekte Morgenroutine abhaken.

Das wäre am Ende vielleicht nur:

noch mehr funktionieren.

Manchmal beginnt Veränderung viel kleiner.

Vielleicht damit, einen Moment innezuhalten und dich zu fragen:

Was brauche ich gerade wirklich?

Nicht morgen.

Nicht nächste Woche.

Jetzt.

Vielleicht brauchst du Bewegung.

Vielleicht frische Luft.

Vielleicht fünf Minuten Ruhe.

Vielleicht ein Gespräch.

Vielleicht Unterstützung.

Vielleicht Schlaf.

Oder vielleicht musst du heute einfach einmal etwas nicht erledigen.



Eine kleine Übung: Raus aus dem Funktionieren


Wenn du merkst, dass du wieder nur von Aufgabe zu Aufgabe läufst, probiere etwas ganz Einfaches.

Bleib für einen Moment stehen oder setz dich hin.

Spüre deine Füße auf dem Boden.

Lass deine Schultern bewusst etwas sinken.

Atme langsam durch die Nase ein.

Und lass deine Ausatmung ein wenig länger werden.

Noch einmal.

Einatmen.

Und langsam ausatmen.

Du musst gerade nichts verändern.

Beobachte nur:

Wie geht es meinem Körper gerade?

Wo halte ich fest?

Wie fühlt sich mein Atem an?

Bin ich müde?

Bin ich angespannt?

Was brauche ich?

Vielleicht dauert dieser Moment nur zwei Minuten.

Aber manchmal sind genau diese zwei Minuten der Unterschied zwischen:

„Ich mache einfach weiter.“

und

„Ich nehme mich gerade wahr.“



Resilienz bedeutet für mich nicht, immer mehr auszuhalten


Das ist auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit als ganzheitliche Gesundheitsberaterin und Yoga-Lehrerin.

Wenn wir über Resilienz und Stressresilienz sprechen, geht es für mich nicht darum, Menschen noch belastbarer zu machen, damit sie einen immer volleren Alltag aushalten können.

Resilienz bedeutet auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen.

Zu erkennen, wann ich Unterstützung brauche.

Zu wissen, was mir hilft, nach Belastung wieder in Regulation zu kommen.

Und vielleicht auch einmal zu sagen:

Heute reicht es.

Yoga, bewusste Atmung, Meditation, Bewegung, ausreichend Regeneration und ein bewusster Umgang mit unseren eigenen Ansprüchen können dabei kleine Bausteine sein.

Nicht als weiteres Optimierungsprojekt.

Sondern als Möglichkeit, wieder mehr Verbindung zu uns selbst aufzubauen.



Du bist mehr als das, was du jeden Tag schaffst


Vielleicht liest du diesen Beitrag gerade zwischen zwei Terminen.

Vielleicht sitzt du abends auf dem Sofa.

Vielleicht hast du heute schon unglaublich viel erledigt und trotzdem das Gefühl, dass noch zehn Dinge offen sind.

Dann möchte ich dir eine Frage mitgeben:

Wann hast du zuletzt etwas nicht getan, obwohl du es noch hättest schaffen können?

Nicht aus Bequemlichkeit.

Sondern weil du gemerkt hast:

Meine Energie ist gerade wichtiger als diese eine weitere Aufgabe.

Vielleicht müssen wir nicht erst lernen, besser zu funktionieren.

Vielleicht dürfen wir manchmal lernen, weniger funktionieren zu müssen.

Und wieder ein bisschen mehr zu spüren, wie es uns eigentlich geht.



Wenn du dich darin wieder

erkennst …


Wenn du das Gefühl hast, häufig nur noch zu funktionieren, erschöpft zu sein oder kaum noch richtig abschalten zu können, dann darfst du anfangen, genauer hinzuschauen.

In meiner Arbeit als ganzheitliche Gesundheitsberaterin, Resilienztrainerin und Yoga-Lehrerin in Soest beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Erschöpfung, Stress, Nervensystemregulation, Resilienz und ganzheitliche Gesundheit.

Dabei geht es mir nicht darum, dir noch mehr Aufgaben mitzugeben.

Sondern gemeinsam herauszufinden, was dir helfen kann, wieder mehr Ruhe, Energie und Verbindung zu dir selbst zu finden.

Wenn du dich in diesem Beitrag wiedergefunden hast oder mehr darüber erfahren möchtest, nimm gerne Kontakt zu mir auf.

Vielleicht beginnt Veränderung nicht damit, dass du noch etwas mehr schaffst.

Sondern damit, dass du dir erlaubst, nicht immer funktionieren zu müssen.


Deine Jana


Jana Lohmann

Ganzheitliche Gesundheitsberaterin, Resilienztrainerin & Yoga-Lehrerin

 
 
 

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